Archiv der Kategorie: digi.diary 62

digi.diary 62 – 4

glaube, liebe, hoffnung – dieser dreie
ist die hoffnung größte, weil sie ist,
wie es nicht bleibt, dass sie noch wartet, bleibe
wenn nicht kurzer, so in langer frist.

hoffnung ist, auf liebe zu vertrauen,
dass kein einz’ger, aber mancher weg
führt g’rade von dem fehl’nden pfad zum glauben,
unter meine füße fest gelegt.

nicht mehr dort erstarren, auf sich machen,
weiter in die hoffnung rennen, gehen,
zu wecken traumverluste zu erwachen.

wohin uns’re wunden zehen tasten,
sind wir nicht mehr, bleiben nie mehr stehen,
denn nur die hoffnungslosen werden rasten.

(260130)

digi.diary 62 – 3

halbe rote sonne, halbkreis weiß,
gier sich streckt nach grün und weißem land
im winter noch vor dem, was frühling heißt
und war nicht mehr verbunden und verwandt.

braun-orange von sonnencréme on rocks –
macht macht ihn jetzt trunken stets und lüstern,
als ob es antwort wär’ am strand der docks.
und all die zuverstimmten, wenn sie wüssten,

was kommen würde oder nicht: ein krieg,
das unbedingte, heilig nicht: ein tod
zum schluss in unverknüpfte enden hieb.

so blieb zu bleiben weiß-rot-weiß und rot,
was uns niemals und vorher hierher trieb
und scholle auf die and’re eis’ge schob.

(260120)

 

digi.diary 62 – 2

„ich schrie und schrie und schrieb, ich schreibe“ (klavki)

mein erster laut, das war ein heis’rer schrei,
nicht wollte dorthin, wo ich angekommen.
wohin war statt woher mir einerlei.
nun bin ich dort und davon stets beklommen,

von all dem ist in das vorallem nichts.
nur wenn ich davon schrei(b)e, bin ich da,
denn ohne schrei(b)geschweige einst zerbricht’s,
woher ich bin, wohin ich vorher war.

ich blick’ im traum zurück und nicht voraus,
welch’ wege hinter mir verschwanden: nord
war kurs und nie nach süd zurück ein ort.

„ich war, ich bin, ich werde sein“ – ein graus!
will gar nicht her, wohin ich schneller lauf’
von meinem ersten zu dem letzten wort.

(260117)

digi.diary 62 – 1

du gabst mir einen korb, so voll von küssen,
ich blühte auf in den olivenblüten.
wer könnte sie vorm weißen winter schützen
und mich vor ihrem eisgeblüt behüten?

was war das jüngst, ein bisschen zartes lächeln,
das du mir wie ein taschentuch gereicht,
als wenn der sonnenschirme hurtig fächern
und wind auch meine lippen hat erreicht?

bin atemnot davon, nicht luft zu holen,
sie vielmehr tief in mir jetzt anzuhalten,
parfüme anzuzünden auf den kohlen,

die brennen in mir feurig lodernd loh
und räuchern meiner krausen stirne falten,
als wäre ich in meinem weinen froh.

(260115)